Eindringtiefe

Physikalische Grundlagen, Information und Fragen zu Lasern.

Moderator: ekkard

Eindringtiefe

Beitragvon Nailimixam » So 02 Mär, 2014 7:14 pm

Hallo Zusammen,

aktuell hänge ich an der theoretischen Durchdringung folgenden Problems:
Ich schmelze mit einem CO2-Laser (Gauss-Profil) linienweise Flächen auf ("Hatching-Prinzip"). Der Strahl wird dabei entweder mit hoher Leistung und schneller Geschwindigkeit oder mit geringer Leistung und langsamer Geschwindigkeit geführt. Leistung und Strahlführungsgeschwindigkeit stehen dabei immer im gleichen Verhältnis zueinander. Meines Erachtens nach wird so in das Material theoretisch immer die gleiche Energiemenge nur zeitlich unterschiedlich verteilt eingebracht. Nun beobachte ich aber, dass die aufgeschmolzenen Flächen bei niedrigen Leistungs-Geschwindigkeits-Kombinationen dicker sind als bei der Kombination hoher Leistungen und Geschwindigkeiten. Meine These hierzu ist, dass bei niedrigen Geschwindigkeiten eher Wärme aus der Wärmeeinflusszone abgeführt wird, als das bei hohen Geschwindigkeiten der Fall ist. Gerne möchte ich mich bei Euch erkundigen, ob Ihr evtl. eine physikalische Erklärung dafür habt.

Ich freue mich auf die Diskussion.

Vielen Dank!
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Re: Eindringtiefe

Beitragvon ekkard » So 02 Mär, 2014 8:07 pm

Deine Erklärung erscheint mir zutreffend. Wärmeleitung ist nicht besonders schnell. Deshalb wird bei hoher Leistung und hoher Geschwindigkeit eine dünnere Schicht aufgeschmolzen, im Extremfall abgesprengt.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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Re: Eindringtiefe

Beitragvon VDX » So 02 Mär, 2014 8:09 pm

... ich denke, daß bei unterschiedlichen Geschwindigkeit bzw. Pulslängen der Faktor Energiedichte/Zeit auch unterschiedliche Ergebnisse bezüglich 'Schmelzradius' zeigt.

Das dürfte ähnlich sein, wie bei den noch extremeren Ergebnissen beim Übergang von ns-Pulsen zu ps oder fs.

Ich sehe das z.B. bei CO2-Lasern, wo z.B. mit normalen RF-Lasern mit ms- oder µs-Pulsen beim Schneiden von Glas durch den Erwärmung+Abkühlungs-Streß Mikrorisse entstehen, während bei den schnelleren Gütegeschalteten CO2-Lasern mit ns-Pulsen die Erwärmung im Schnittrand viel kleiner ist, so daß weniger Temperatur-Streß auftritt und praktisch keine Mikrorisse mehr entstehen ...

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Re: Eindringtiefe

Beitragvon Nailimixam » So 02 Mär, 2014 9:25 pm

Hallo Zusammen,

vielen Dank für Euer Feedback. Ich denke auch, dass neben Wärmetransportvorgängen noch "andere zeitabhängige Effekte" für meine Beobachtungen verantwortlich sind. Anbei habe ich ein Bild angehängt, dass den Verlauf der Dicke von geschmolzenen Schichten sowie der Breite von geschmolzenen Linien zeigt. Meine These ist, dass ab einer genügend hohen Scangeschwindigkeit die Strahl-Stoff-Wechselwirkung, trotz im gleichen Maß erhöhter Laserleistung, so kurz wird, dass kein nennenswerter Wärmetransport mehr stattfindet. Das würde erklären, warum die Breite der Linien nicht weiter ansteigt. Was mich immer noch wundert ist der Verlauf der Dicke. Bin gespannt auf Eure Ideen dazu.

Besten Dank :-)
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Re: Eindringtiefe

Beitragvon Nailimixam » Mo 03 Mär, 2014 9:05 pm

Hallo Zusammen,

der "seltsame" Kurvenverlauf lässt mich nicht los. Aktuell denke ich darüber nach, dass es sich evtl. um einen Effekt bedingt durch die thermische Diffusionslänge handel könnte. Demnach würde die thermische Diffusionslänge, also der Bereich über den in der Einwirkzeit Wärme abgeleitet wird, mit zunehmender Scangeschwindigkeit abnehmen. Bei niedrigen Laserleistungen wird durch die lange Einwirkzeit die eingebrachte Wärme in den umliegenden Werkstoff abgeführt. Hierdurch wird das faktisch erwärmte Materialvolumen erhöht und die eingebrachte Laserenergie reicht nicht aus um die Schmelzenthalpie des Materials zu erreichen. Mit zunehmender Laserleistung und abnehmender Einwirkzeit wird zunächst die thermische Diffusionslänge kleiner. Hierdurch verringert sich das durchwärmte Materialvolumen und die Schmelzenthalpie wird überschritten. Folglich steigt die Dicke der Schmelzeschicht. Wird die Geschwindigkeit und Leistung noch höher, ist die thermische Diffusionslänge faktisch null. In der Folge schmilzt nur der direkt vom Laser penetrierte Bereich auf und die Schmelzeschichtdicke sinkt wieder. Was haltet Ihr von der Theorie, würde diese gerne diskutieren, da ich als Chemieingenieur keinen so starken "Physik-Background" habe.

Vielen Dank :-)
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Re: Eindringtiefe

Beitragvon undineSpektrum » Mi 05 Mär, 2014 12:35 am

Hallo Nailimixam,
(und alle die mitlesen und mitdiskutieren (wollen))... :)

zunächst erstmal Danke für die interessante und auch nicht ganz einfache Fragestellung hier... und Deine wiederholte Nachfrage mit einer von Dir aufgestellten Hypothese dazu wie das, was Du beobachtet hast zu erklären sein könnte... :)
Interessant ist dabei die Eindringtiefe im Zusammenhang mit den von Dir eingestellten Parametern.
Welche Vorkenntnisse hast Du in der Physik der Materialbearbeitung? Zu dem von Dir gestellten Problem der Laserstrahlungs-Material-Wechselwirkung gibt´s eine Reihe von gängigen Modellen, die den von Dir beobachteten Effekt vielleicht erklären können insbesondere die beiden Kurven in Deinem Diagramm. Eines davon ist das sog." Keyhole-Modell " für das auch eine eindeutige Lösung der Wärmeleitungsgleichung existiert. Es wird von D. Rosenthal beschrieben und gibt das Verhalten einer in ein Material mit gleichmäßiger Intensitätsverteilung eindringende dünne Wärmequelle für unterschiedliche Leistungen und Einwirkungszeiten / Bewegungsgeschwindigkeiten wieder.

Ich erlaube es mir - nimm es bitte nicht persönlich - zuvor Deine Darstellung aus "Tendenzen_simp.pdf" zu kritisieren ... :)
Zu einer solchen Darstellung für eine wissenschaftliche Diskussion gehört grundsätzlich eine klare Beschriftung der Koordinaten - d.h. es muß erkennbar sein welche Meßgrößen ( am besten noch in welchen Einheiten z.B. bei quantitativem Diskussionsbedarf ) hier dargestellt werden. Du bist ja doch Chemiker - und weißt das sicher auch! :freak:
Deine Abszisse enthält hier zwei Beschriftungen "Laserleistung" und "Scanngeschwindigkeit" ... was ist es denn nun ...? ( Laserleistung? Scanngeschwindigkeit? Laserleistung mal Scanngeschwindigkeit? ... andere Alternativen sind unter den diskutierten Aspekten "aus dem Zusammenhang" nicht sinnvoll wie ich finde... ) Dargestellt sind aber nur zwei Kurven für die Breite und die Dicke der bearbeiteten / aufgeschmolzenen Zone... da müßten doch bei zwei unterschiedlichen Größen mindestens vier Kurven im Diagramm sein - außer wenn Du Platz sparen möchest und zwei Kurven in jeweils passender Skalierung (die nach Möglichkeit angeben!) eine zeichnest... es sei denn es ist Laserleistung mal Scanngeschwindigkeit , dann währe das für eine formale Argumentationsgrundlage zumindest klar... :wink:
Die Bezeichnung der Ordinate mit "Trend" ist unphysikalisch... es sei denn a) Du führst eine physikalische Größe ein die diese Bezeichnung trägt oder b) Du meinst andere Größen wie z.B. die Breite oder Tiefe der Schnittlinie in Längeneinheiten...?
Entschuldige, das wirkt vielleicht hier so wie etwas was zu beantworten währe wie "Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten..." :mrgreen: ist aber nicht so wenn man eine Hypothese wie Deine anhand Deiner Daten diskutieren will... ich vermute mal ganz scharf, es bedeutet daß die Breite oder Tiefe in mm oder µm der bearbeiteten Zone auf der Ordinate gemeint ist und die Laserleistung bei fester Scanngeschwindigkeit oder aber die Scanngeschwindigkeit des Laserspots als bei fester Laserleistung auf der Abszisse(?) und Du meinst, daß sich bei entsprechender Skalierung für beides der gleiche Verlauf von Breite und Dicke der Bearbeitungszone ergibt oder? :wink:

Der Effekt ist beispielsweise durch die unterschiedlichen Wärmeleitungsmechanismen zu erklären. Wird mit großer Laserleistung ein Strahl schnell über eine Oberfläche mit fester Wärmeleitungszahl bewegt findet eine Erwärmung nur an der Oberfläche statt - die Schmelzone breitet sich bis zu einem bestimmten Radius aus wenn du diesem Parameter ( eben : welchen genau ? Daher meine lange Vorrede...) variierst, also z.B. die Laserleistung erhöhst oder die Scanngeschwindigkeit verlangsamst...
Das Keyholemodell von Rosenthal sagt für diesen Fall eine mit zunehmenden Strahlungsenergieeintrag eine gegen eine konstante Oberflächentemperatur und einen festen Schmelzradius konvergierende Breite der Bearbeitungszone vorher... basiert auf einer arctan-Funktion als Lösung... würde Deine grüne Kurve sehr gut erklären. -> Stationäre Wärmeleitung in der Ebene der Oberfläche.
Der andere Fall der Eindringtiefe ( blaue Kurve ) erklärt sich durch den Übergang von Oberflächenwärmeleitung zu Volumenwärmeleitung ... je größer das aufgeschmolzene Volumen desto größer sind auch die Wärmeströme beispielsweise durch die immer größer werdende Fläche der isothermen des aufgeschmolzenen Materialvolumens. Daher bricht die Kurve bei kleinen Scanngeschwindigkeiten wieder ein... ist ein inverser Zusammenhang zwischen Energieeintrag und Eindringtiefe in das Material...

Außerdem erzeugt das durch die Laserstrahlung erwärmte Material Wärmestrahlung die teilweise in den Halbraum über dem Material teilweise aber auch in den Halbraum in die Materialtiefe abgestrahlt wird, diese ist breitbandig und konvertiert die Laserwellenlänge in ein thermisches Spektrum ( Plancksche Strahlungsgleichung / Stefan-Boltzmann-Gesetz (geht mit T^4 der erwärmten Schicht! ) usw...) :freak: -> Gehört zu den Zeitabhängigen Effekten die Du vielleicht vermutest - auch die inkohärente Wärmestrahlung "bearbeitet" das Material mit ( Unterschied bei der Bearbeitung von Gläsern und Metallen mit dem von dir benutzten Laser )...
Ich weiß, ich bin ein komplizierter Mensch... :oops:
Aber : Anhand Deiner Grafik fällt es schwer das genauer (muß nicht mal quantitativ sein!) zu diskutieren. Ich nehm´s Dir nicht krumm, da ich weiß das die Darstellungen der Kollegen aus der Chemie von den Physikern leider manchmal als viel zu ungenau und qualitativ angesehen werden und ihre Stärken in der Argumentation manchmal auch genau daraus schöpfen sich nicht so genau festzulegen, wohingegen der Physiker/ die Physikerin immer im Größen mit Maßzahl und Einheit festgelegte Bedingungen und Argumente angibt oder - falls nicht möglich - es kenntlich macht, dass die Daten nicht so genau sind und ggf. unbekannte oder informale Größen eine Rolle spielen (können) ... :)

Soweit erstmal dazu ...

Grüße,

Undine
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Re: Eindringtiefe

Beitragvon Nailimixam » Mi 05 Mär, 2014 11:28 am

Hallo Undine,

besten Dank für Dein Feedback. Du hast vollkommen Recht, die Grafik ist nicht eindeutig und damit als Diskussionsgrundlage eher ungeeignet. Diesbezüglich gelobe ich Besserung ;-)
Auf der x-Achse ist sowohl die Laserleistung als auch die Scangeschwindigkeit aufgetragen. Beide Parameter steigen in gleichem Maße an, d.h. die dargestellten Kurven für Breite und Dicke liegen alle auf dem selben Energieniveau. Der Unterschied ist nur die Art und Weise der Energieeinbringung, d.h. einmal mit niedriger Geschwindigkeit und Leistung und einmal mit hoher Leistung bei ebenfalls hoher Geschwindigkeit. Beobachtet wurden die skizzierten Kurven an einem Kunststoff. Soviel vorab, die Skizze werde ich entsprechend überarbeiten.

Vielen Dank
Nailimixam
 
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Re: Eindringtiefe

Beitragvon undineSpektrum » Mi 05 Mär, 2014 4:32 pm

Hallo Nailimixam, :)

Du schreibst:
Zitat anfang...
" die Grafik ist nicht eindeutig und damit als Diskussionsgrundlage eher ungeeignet. Diesbezüglich gelobe ich Besserung ;-)"
Zitat ende.

Supii..! :) Ich weiß, was ich schreibe klingt wie oberlehrerhaftes Gerede... zumal Du das von Deiner Ausbildung her ja auch weisst. Aber : Vieles was einfach scheint ist nicht so einfach wie es scheint...

Beispielsweise schreibst Du:
Zitat anfang:
"Auf der x-Achse ist sowohl die Laserleistung als auch die Scangeschwindigkeit aufgetragen. Beide Parameter steigen in gleichem Maße an,..."
Zitat ende...

Hier kommt diese Frage wieder auf: Was zeigt die x-Achse? ( Größe, Maßzahlen (Skalierung der Achse) und Maßeinheit ) Für qualitative Diskussionen reicht die Angabe der Messgröße ( also z.B. "(Scann-) Geschwindigkeit") aus, besser währe noch die Einheit ( z.B. für die Scanngeschwindigkeit m/s oder das was technisch da sinnvoll ist, z.B. mm/min o.ä. ... )
Um Dein Experiment an die systematischen Ansprüche der Physik anzugleichen sollten vor allen Dingen a) Verschiedene Einflussgrößen voneinander getrennt betrachtet werden ( also Scanngeschwindigkeit oder Laserleistung ) und diese dann auch so auf der Achse des jeweiligen Koordinatensystems stehen oder b) Falls das nicht möglich ist eine sinnvolle Ersatzgröße definiert werden, die sich in rechnerisch eindeutig nachvollziehbarer Weise aus diesen Größen zusammensetzt... Du sprichst ja von einer "Einbringung" ... falls nicht aus der Literatur bekannt ( währe dann eine Bildungslücke meinerseits :oops: ) solltest Du festlegen was das genau ist, also z.B. Einbringung=Laserleistung * Scanngeschwindigkeit o.ä. ... :wink:
Dann schreibst Du noch:
Zitat anfang:
"Beide Parameter steigen in gleichem Maße an, d.h. die dargestellten Kurven für Breite und Dicke liegen alle auf dem selben Energieniveau."
Zitat ende...
Hinweis Dazu:
Auch musst Du zwischen Größen und ihren Zunahmen (rechnerisch = Steigungen) unterscheiden : Die Zunahme einer Größe b (Breite der Schnittspaltes z.B.) mit der Leistung P ist ja (b[2]-b[1])/(P[2]-P[1]) also im einfachsten Fall durch ein Steigungsdreieck und mindestens zwei Messpunkte gegenüber einem Nullpunkt im Breite-Leistungs-Diagramm b(P) festgelegt, die Angabe der Breite b = b[1] = 5mm zum Beispiel nur noch durch einen Meßpunkt ( gegenüber dem Nullpunkt Deiner Koordinaten )...
Aber ich denke auch das ist Dir bekannt.
Es gehört manchmal aber auch schon bei einer Planung der Versuches dazu, diese Grundlagen der technischen Datenverarbeitung und Messtechnik zu berücksichtigen und zwei Größen getrennt zu messen oder getrennt messbar zu machen...
Eingängiges Beispiel dazu:
Ein klassisches Beispiel aus dem Physikpraktikum für Ingenieure ist die Bestimmung der Strahlungsleistung einer Glühlampe im Zusammenhang mit den elektrischen Betriebsdaten... also letztendlich eine Wirkungsgradbestimmung der Licht-Strom-Konversion.
Der Versuch ist beispielsweise immer so vorgesehen, das Spannung und Betriebsstromstärke der Lampe für einen bestimmten Ausschlag des Voltmeters an der Thermosäule ( Strahlungsdetektor ) in festem Abstand von der Lampe gemessen werden ... die Auftragung des Ausschlags des Voltmeters über der Betriebsspannung oder nur der Stromstärke alleine macht unter den üblichen Betriebsbedingungen (Netzgerät) gar keinen Sinn, weil Strom * Spannung = elektrische Leistung die energietechnisch maßgebliche Einflussgröße ist - es sei denn es wird eine Konstantstromquelle zum Betrieb benutzt... :wink:
Sonst ist es nicht möglich den Wirkungsgrad der Glühlampe zu diskutieren und sinnvoll Thesen für eine besseren Wirkungsgrad der Licht-Strom-Konversion aufzustellen...

Das ist für Diskussionen sehr wichtig... natürlich planst Du Deine Versuche sicherlich gewissenhaft und richtig. Aber so etwas sollte für die Argumentation vielleicht doch schon überdacht werden - die Rolle von Strom und Spannung aus meinem Beispiel finden sich in Deinem Versuch in Form der Rolle von Laserleistung und Scanngeschwindigkeit wieder... ich würde diese Einflüsse getrennt betrachten zumal das hier ja sicherlich möglich ist... :freak:

In der Chemie ist das sicherlich manchmal anders, beispielsweise wenn die Reaktionsgeschwindigkeit von dem Produkt der Konzentration c[1]*c[2] verschiedener als Edukte verwendeter Stoffe abhängen - das geht dann nur noch bei einfachen Reaktionen wie z.B. einer Katalyse eines Stoffes ( Alkoholabbau im menschlichen Körper / isotherme Zersetzung von Wasserstoffperoxid durch einen Katalysator ) gut... deswegen ist ja nichtlineare Physik und Chemie ein so wichtiges Thema... :)

Ich denke Du bedenkst das bei der weiteren Argumentation...?

Grüße,

Undine
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Re: Eindringtiefe

Beitragvon Nailimixam » Mi 05 Mär, 2014 11:03 pm

Hallo Undine,

wie gesagt, ich gelobe Besserung. Bei uns Ingenieuren ist es teilweise etwas "lässiger" in der Darstellungsweise. Ich verstehe aber Deine Anmerkungen, das erleichtert die Diskussion in jedem Fall.
Auf der x-Achse sind sowohl Leistung als auch Scangeschwindigkeit aufgetragen. Beides steigt in gleichem Maße. Also erstes Wertepaar auf der x-Achse ist 2 W bei 200mm/s, das nächste ist dann 4 W bei 400 mm/s, usw. (genaue Datenpunkte auf den Kurven möchte ich nur ungern veröffentlichen). Der Quotient aus Leistung und Geschwindigkeit ist also konstant. Mir geht es darum herauszufinden, was der Unterschied in den Dimensionen einer geschmolzenen Linie zwischen einer hohen und schnell eingebrachten Leistung und einer niedrig, langsam eingebrachten Leistung ist. Nominell wird in beiden Fällen ja die gleiche Energie in das Material eingebracht.
Auf der y-Achse sind Dimensionen einer einzelnen aufgeschmolzenen Linie in μm aufgetragen. Der Nullpunkt liegt beim Schnittpunkt von x- und y-Achse.
Das Diagramm werde ich noch entsprechend anpassen. Ich hoffe mit diesen Infos ist der Sachverhalt nachvollziehbar. Gerne stehe ich für Ruckfragen zur Verfügung.

Vielen Dank :-)
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Re: Eindringtiefe

Beitragvon undineSpektrum » Sa 08 Mär, 2014 5:32 pm

Hallo Nailimixam,
(und alle die mitlesen)... :)

Schade, dass Du keine genaueren Daten geben möchtest... dann kann ich das Modell auch nicht quantitativ nachrechnen und Vermutungen hierzu kommentieren... :) Aber : Du hast ja die Möglichkeit hier auch nicht öffentlich zu posten, doch das ist ja schließlich grundsätzlich Deine Entscheidung für die Du gute Gründe hast...denn auch hier gilt was schon die Römer wussten: "Alles erfahre ich indem ich schweige auf das ich höre..!"... ich werde schon zur Einhaltung der Netiquette an dieser Stelle nicht mehr weiter fragen... :wink:

Ich werde jetzt jedenfalls nicht schweigen, aber meine Hinweise sind daher qualitativ:

Ich gehe mal bei der Abszisseneinheit von "Leistung mal Geschwindigkeit" aus -> Ergibt eine Einheit (J*m)/(s^2) ... und das ist es ja was Du variierst... m/s^2 ist eine Beschleunigung der Strahlungsenergie Laserspots durch Deine "Scanngeschwindigkeit" entlang der Bewegungsrichtung...
Betrachte ich den Kurvenverlauf beider Graphen so erinnert mich die Kurve mit der Schmelztiefe an einen Resonanzvorgang, z.B. in der Mechanik... du erreichst ja ein Optimum der Tiefe bei einer bestimmten Scanngeschwindigkeit... die Einheit der Beschleunigung zeigt ja, daß hierfür wie in Mechanik und Elektrotechnik ein "Anpassungsphänomen" vorliegt, d.h. wo zwei Zeitkonstanten aneinander angeglichen werden müssen.
Diese Zeitkonstante ist für den Fall der "Dicke"-Kurve durch die Lösung der dreidimensionalen Wärmeleitungsgleichung gegeben... es ergibt sich dabei ein die sog. Thermische Zeitkonstante in der Lösung (1/(4*Lambda*sqrt(t)))*exp((-1)*(r^2)/(sqrt(t)*4*Lambda*sqrt(t))) zu tau=r^2/(4*(rho*c[m]/lambda)), wobei r der Radius einer Isothermen ist die vom Modell abhängt... Schmelzradius / Abfall der Temperatur T auf 1/e des Maximalwertes ... usw.
Die besagte Lösung oben ist zudem über die Zeit t zu integrieren um die gesuchten Verläufe des Temperaturfeldes zu bekommen.
Da Deine Kurven ja keine genauen Angaben enthalten bleibt die Vermutung, dass das Maximum der Eindringtiefe bei der Energieeinkoppelung an das Material bei der Anpassung der Zeitkonstanten Deines Scannvorganges an die thermischen Zeitkonstanten der Wärmeleitung aus der dreidimensionalen Wärmleitungsleichung erreicht ist... die sind selbstverständlich von der Laserleistung und dem Verlauf der Isothermen an der Oberfläche des Materials abhängig.
Die Literatur bestätigt dieses Ergebnis Deiner Auftragung im wesentlichen... und berechnet für die Eindringtiefe die sog. "maximale Schmelztiefe" wie sie M.I.Cohen in "Material processing" ( Laser Handbook 2, Amsterdam 1972 ) berechnet. Dies ist (vermutlich) das Maximum der blauen Kurve.
Das Problem ist damit in der Tat ein "Anpassungsproblem" wie bei mechanischen Schwingungen oder in der Hochfrequenztechnik... :)
Leider kann ich das hier nicht genauer verifizieren... aber ich denke es ist klar was ich meine. :)

Als Hilfsliteratur gebe ich für Deine weitere Arbeit an :

- D. Rosenthal / Zeitschrift TransASME Seite 849 ff. / 1946 ( Keyhole-Modell bewegter Wärmequellen auf einer Oberfläche )
- I.M. Cohen : Material Processing / Laser Handbook 2, 1972 Amsterdam
- M.J. Yessik : Laser Material Processing / Optical Eneneering 17, Seite 3 ff. / 1978

Zudem schlage ich vor, die Parameter Laserleistung und Scanngeschwindigkeit in dem Versuch unabhängig voneinander zur Verändern und die Auswirkung auf die Breite und Dicke der Schmelzzone / Bearbeitungszone zu untersuchen... dann lassen sich diese Phänomene des Einflusses der Laserleitung von denen der Bewegung des Laserstrahles trennen...
Die Breite der Schmelzzone erklärt sich einfach aus dem Effekt der stationären Wärmeleitung (T[2]-T[1])/(t[2]-t[1])=0 in der Wärmeleitungsgleichung da der Effekt Oberflächennah ist... auch das stimmt mit der Literatur überein... :)

Soweit mal meine Vermutungen hierzu...

Grüße,

Undine
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Re: Eindringtiefe

Beitragvon Matthias1 » Mi 21 Mai, 2014 6:26 pm

Hallo,

Undispektrum hat recht, das beste ist das ganze durch eine Versuchsreihe zu verifizieren. Erkunde dich mal in Punkto "Design of Experiment" oder zu deutsch statistische Versuchsplanung. Damit kannst du nachher quantitativ die einzelnen Einfluesse auf das Prozessergebnis bestimmen. Es gibt auch Programme dazu, die dir deine Versuche automatisch auswerten. Hier würde ich dir aus eigener Erfahrung "Minitab" empehlen.



Grüße
Matthias1
 
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